Das Format Media.Lab Lectures ist eine Vortragsreihe, die zentrale Fragestellungen zeitgenössischer Kunst- und Medienpraxis in einen wissenschaftlich reflektierten Austausch überführt. Organisiert von Prof. Rozbeh Asmani am Lehrstuhl für Neue Medien und Angewandte Grafik im Bezugsfeld der Bildenden Kunst, versammelt die Reihe künstlerische, theoretische und filmische Positionen, die sich mit den Bedingungen, Transformationen und Konfliktfeldern gegenwärtiger visueller Kulturen auseinandersetzen.


© Johannes Waltermann
Susanne Burmester, Foto: Volker Renner, 2018
© Anett Stuth

27.Mai (19.15 Uhr)

SPEARA - Dokumentarfilm, 39:00 min.

Anschließendes Gespräch mit Kameramann Johannes Waltermann

Im Dokumentarfilm SPEARA erzählt Mitsuki, eine 26-jährige Weltmeisterin im Speerfischen, von ihrem Lebensweg und ihrer Leidenschaft für das Meer. Der Film reflektiert Themen wie Identität, Selbstbestimmung, Nachhaltigkeit und die Rolle von Frauen innerhalb der Subkultur des Speerfischens.

Johannes Waltermann – Cinematographer / Bildgestalter

Johannes wurde 1986 in Köln geboren. Sein Kamerastudium an der Filmuniversität Potsdam Babelsberg beendete er 2014. Für seinen Abschlussfilm erhielt er den Michael-Ballhaus-Kamerapreis 2015, eine Nominierung in der Kategorie Best Cinematographers' Debut bei Camerimage und den Best Feature Award beim Vilmos Zsigmond International Film Festival. Er arbeitet seitdem vor allem in den Feldern Szenischer Film und Dokumentarfilm. Neben seiner Arbeit als DP ist er zudem als Kameraoperator und 2nd Unit DP tätig. Johannes lebt mit seiner Familie in Berlin.

 

17. Juni 2026 (19:15 Uhr)

SUSANNE BURMESTER

FUTURE SONGS OF FISH AND PEOPLE – Künstlerische Strategien und alternative Beziehungsmodelle zum Meer und seinen Lebewesen

Europaweit befindet sich die Küstenfischerei in einer Krise, die zu ihrem Verschwinden führen wird. Wenn die Fischer ihre Existenzgrundlage verlieren oder sich ihr Berufsfeld wandelt, verschwinden die Erinnerungen und wertvolles Wissen geht verloren. Darum geben die Neuen Auftraggeber von Ummanz eine Produktion in Auftrag, die voller Zuversicht und mit Humor die Leistungen der Küstenfischer und ihrer Familien anerkennt und für alle zugänglich macht. Denn der Fisch ist stumm aber der Fischer nicht!

Amanda Piña präsentiert am 27. Juni 2026 den Auftakt zu ihrem dreigliedrigen Werk Atlantic Undercurrent Circulation für die Neuen Auftraggeber von Ummanz. Sie würdigt darin Arbeit und Wissen der Küstenfischer, knüpft neue Beziehungen zum Meeresleben und verbindet die Insel Ummanz mit ökologischen, geografischen, kulturellen und wirtschaftlichen Strömen weltweit.

Susanne Burmester arbeitet als Projektmanagerin und Kuratorin für Kunst- und Kulturprojekte auf der Insel Rügen. Sie ist künstlerische Leiterin von Circus Eins Projekte und hat 10 Jahre lang das Programm für die Galerie Circus Eins in Putbus auf Rügen entwickelt. Als Mediatorin für Kunst im Bürgerauftrag ist sie in Mecklenburg-Vorpommern für Die Gesellschaft Der Neuen Auftraggeber tätig. Sie fördert den ambitionierten Nachwuchs und bespielt seit 2026 diverse Projektstandorte.

 

01. Juli 2026 (19:15 Uhr)

ANETT STUTH

TIME LOOPS – Werkvortrag

Anett Stuth fotografiert, collagiert und decollagiert in ihren Arbeiten mit dem übergeordneten Titel TIME LOOPS Naturstücke, Pflanzen- und Tierobjekte, Überreste aus jüngster und prähistorischer Vergangenheit. Sie verdichtet in ihren Werkgruppen die Reflexion über die Erhabenheit und gleichzeitige Zerstörung von Natur. In ihren fotografischen Collagen werden historische und aktuelle Bildmaterialien/Versatzstücke der Natur zusammengefügt und in Beziehung zu unserer jetzigen Zivilisation gesetzt. Dagegen entfernt Stuth in den Decollagen alle überflüssigen Informationen aus den großformatigen Fotografien von Tier- und Pflanzenobjekten. Diese wirken losgelöst von Herkunft und Zeit wie stumme, erstarrte Zeugen vergänglicher Diversität. Durch das Wechselspiel von Collagen und Decollagen eröffnen sich neue Denkräume in Form von Zeitschleifen.

Aneth Stuth wurde 1965 in Leipzig geboren. Von 1991 bis 1992 studierte sie Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Prof. Arno Fischer. Von 1993 bis 1996 setzte sie ihr Studium ebendort bei Prof. Timm Rautert fort und schloss es mit dem Diplom ab. Anschließend absolvierte sie von 1996 bis 1998 ein Meisterschülerstudium bei Prof. Timm Rautert. Seit 1998 ist sie freischaffend tätig und lebt und arbeitet in Berlin.



Sophia K. Sommer (Foto: Josef Fischnaller)
Dr. Wolfgang Ullrich (Foto: Neven Allgeier)
© Matthias Grund

Sophia Sommer 

"Copy & Create? - Kunst- & Urheberrecht im digitalen Zeitalter“

26.11.2025, 19 Uhr 

Die Veranstaltung gibt einen kompakten Überblick über Grundlagen und zentrale Fragen des Kunst- und Urheberrechts. Anhand aktueller Beispiele aus der digitalen Bild- und Medienpraxis sollen typische Problemfelder und Lösungsansätze diskutiert werden.

Sophia Sommer ist Rechtsanwältin und Gründerin von Monochrome Legal in Berlin, einer Kanzlei mit Schwerpunkt auf Kunstrecht und Geistigem Eigentum. Sie berät Kreative und Unternehmen u.a. aus verschiedenen Bereichen der Kultur- und Kreativwirtschaft. Den Austausch mit Studierenden schätzt sie sehr, denn gerade im Zeitalter neuer Medien eröffnet der gemeinsame Dialog immer wieder neue Perspektiven darauf, wie Recht kreative Prozesse begleiten und Innovationen ermöglichen kann.

 

Wolfgang Ullrich

"Wie haben die Sozialen Medien die Kunstwelt verändert? Eine erste Bilanz“

10.12.2025, 19 Uhr 

Die Sozialen Medien haben die Kunstwelt auf den Kopf gestellt. Sie fordern herrschende Werkbegriffe heraus und verändern Status und Rolle der einzelnen Instanzen des Kunstbetriebs. Influencer-Logiken durchdringen Schaffensprozesse, Galerien und Museen, mit Followern gibt es neue mächtige Akteure, die die Stellung der klassischen Gatekeeper untergraben und dafür sorgen, dass die bildende Kunst nicht mehr nur Hochkultur ist. 

Vor allem aber hat sich für die Künstler:innen viel geändert: Sie können dank der Sozialen Medien auf andere Weise Erfolg haben als früher, müssen sich aber auch auf die Spielregeln von Plattformen wie Instagram und TikTok einlassen und drohen damit an Autonomie zu verlieren.

Wolfgang Ullrich lebt als Kunstwissenschaftler und freier Autor in Leipzig. Er forscht und publiziert zur Geschichte und Kritik des Kunstbegriffs, zu bildsoziologischen Themen, zu digitalen Bildphänomenen sowie zu Warenästhetik und Markenkultur.

 

Matthias Grund

(Nicht-)willkürliche Bilder: Generative KI als künstlerisches Medium

14.1.2026, 19 Uhr 

In nur wenigen Jahren hat sich die bildgenerierende KI von einer Nischentechnologie zu einem Mainstream-Phänomen entwickelt. Während große Tech-Konzerne dies als revolutionäre Innovation feiern, ist die Realität komplexer. Künstlerische Strategien erfordern eine Auseinandersetzung mit den technologischen Strukturen hinter diesen Bildsystemen. Generative KI muss im Zusammenhang mit ihren zugrunde liegenden Modellen und ihren Standardisierungstendenzen verstanden werden – trotz ihrer scheinbar willkürlichen Ergebnisse.

In seiner Arbeit untersucht Matthias Grund die verborgenen Aspekte des maschinellen Lernens und begreift KI-generierte Bilder als eigenständige Bildpraxis. Im Vordergrund stehen das Experiment im Medium und die Frage, wie diese Bilder entstehen und was sie über unsere visuellen Kulturen verraten. Dieser Vortrag untersucht die strukturellen und ästhetische Bedingungen KI generierter Bilder. Er hinterfragt die ontologischen und ästhetischen Eigenschaften, die sie charakterisieren, und präsentiert Arbeiten, die sich mit der Materialität generativer Bilder auseinandersetzen.

Matthias Grund ist ein in Köln lebender Künstler und Designer. In seiner künstlerischen Forschung untersucht er die strukturellen und ästhetischen Bedingungen synthetischer Bilder sowie der damit verbundenen visuellen Kulturen. Er ist Doktorand an der Bauhaus-Universität Weimar und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Köln International School of Design, TH Köln. Seine Arbeiten wurden unter anderem im Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK), in der Städtischen Galerie Karlsruhe, Kunsthalle Trier, Fundación Ludwig de Cuba und in den Deichtorhallen Hamburg ausgestellt sowie auf zahlreichen akademischen Konferenzen präsentiert.


Sebastian Bass

“Open Ocean” - Öffentliche Filmvorführung und anschließende Gesprächsrunde

25.06.2025, 18 Uhr 

„Das Meer ist offen für jeden. Ob du das im Stehen oder im Liegen machst, mit Brett oder ohne Brett. Es spielt keine Rolle. Es geht nur darum, dass das Du deine Erfüllung darin findest.“

Der 46-minütige Dokumentarfilm von Philippe Opigez und Rico Stein gewährt Einblicke in die Welt des inklusiven Surfens im Norden Portugals, wo Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam die Wellen erobern.

Der Film konzentriert sich auf die Geschichten von Hannes, Fritzi, Adriani, Pia und Malin, die aus ihren ganz individuellen Perspektiven die Magie des Ozeans erleben. 

Hannes, ein Surfer mit Querschnittlähmung, zeigt eindrucksvoll seine Entschlossenheit, sich von Nichts aufhalten zu lassen. Fritzi, eine erfahrene Surflehrerin, engagiert sich dafür, anderen das Surfen beizubringen. Adriani, ein blinder Surfer, beweist Hingabe und Mut. Und Pia, eine Rollstuhlfahrerin, reist zusammen mit ihrer Freundin Malin nach Portugal und findet im Surfen Freude und Heilung. 

„Open Ocean“ ist mehr als nur ein Film über das Surfen: Er ist eine inspirierende Reise und nimmt die Zuschauer*innen mit, um zu erleben, wie Menschen mit unterschiedlichen Herausforderungen Barrieren überwinden, um ihrer Leidenschaft nachzugehen.“

 

Marc Ries

"KI-Wesen. Und nun?“

04.06.2025, 18 Uhr 

Heute sind wir umgeben von – humanoid-mathenoiden – Wesen, die aus den Gefügen stochastischer Notationen und algebraischer Schaltungen heraus ein Eigenleben führen und aus einer Parallelwelt der Interfaces immer stärker in unsere Lebensweisen einwirken. Mich interessiert, wie diese Wesen oder Personen-die-nicht-existieren, die Avatars, Assistentinnen, digitalen Klone uns in unserem Alltag begleiten, uns vertreten, uns beraten, uns verführen, uns ermöglichen, Dinge zu tun, die im Realen schlicht unmöglich bzw. unverträglich sind. Und: Warum gibt es ihn, diesen Willen, einen künstlichen, a-historischen, kontext- und identitätslosen, technischen Wechselbalg herzustellen? Und welche ästhetische Intervention oder Aneignung vermag diese neue Species zu nutzen für eine Kunst "der anderen Art"?

Marc Ries, Kultur und Medientheoretiker, Kurator, Forschung und Publikationen zu Massenmedien, Gesellschaft und Kunst, Vertretungsprofessuren an der Universität Jena und der HGB Leipzig, von 2009–2023 Professor für Soziologie und Theorie der Medien an der Hochschule für Gestaltung Offenbach/Main.

 

Tom Fecht

“ÜBER DIE SCHÖNHEIT DES ZUFALLS - Inversion als künstlerische Strategie”

07.05.2025, 18 Uhr 

Fechts Vortrag stellt ausgewählte Arbeiten in den Kontext künstlerischer Strategie und beleuchtet den wissenschaftlich geprägten Hintergrund der Serien Incertitudes, Studies of Ancient Light und Dark Matters. Dabei geht es vielfach um marine Nachtfotografie und Naturphänomene jenseits des sichtbaren Spektrums, eingefangen in einer unvorhersehbaren alchemistischen Mischung. Verschmolzen zu einem systematischen künstlerischen Ansatz wird der Blick auf den Ereignishorizont von Phänomenen gelenkt, die in der Zeit verborgen und größer und älter sind als wir. Es geht um Schönheit des Zufalls an der Grenze zur Mathematik und eine künstlerische Praxis, die auch das eigene Scheitern erkennt. 

Tom Fecht startete seine künstlerische Karriere 1992 auf der documenta IX. Inspiriert von den Apollo-Missionen studierte er u.a. Quantenphysik an der Columbia University NYC. Komplexe Verfahren des Scientific Imaging gehören zu seiner erweiterten fotografischen Praxis, drunter thermische Verfahren und eigene Patente. Er lehrte u.a. an der Cornell University NY und dem Royal und Imperial College London. Seit 2004 fotografiert er u.a. für die NY Times, Arbeiten befinden sich u.a. in in der National Galerie Berlin, 2025 wurde er für den Prix Pictet nominiert.